Bericht 125-Jahr Feier - 5 - 08.03.2010
drucken Starke Gemeinschaft (Akademische Feier "125 Jahre TuS Steinbach")
TuS wird mit silberner Ehrenplakette des Ministerpräsidenten geehrt
Die Turnerinnen der TuS ließen die Vereinsgeschichte Revue passieren - vom männerturnen der Gründerjahre (unser Bild) bis hin ZUM Line Dance und zur Wettkampfgymnastik. Fotos: Jochen Reichwein (3)
Ihrem Lebensalter von 125 Jahren zum Trotz ist die Turn- und Spielvereinigung jung geblieben.
Das bestätigten alle Festredner und Gratulanten dem größten Steinbacher Verein gestern bei der akademischen Geburtstagsfeier.

Steinbach. Wenn sich die Turn- und Spielvereinigung, wie wohl von den Gründungsvätern im Jahre 1885 einst geplant, ein Vereinsleben lang aufs Turnen beschränkt hätte, wäre die Akademische Feier zum 125. Geburtstag der TuS gestern im Saal des Bürgerhauses wohl etwas kürzer ausgefallen. Weil aber die TuS inzwischen sieben Vereine im Verein zählt, gab es entsprechende Jochem Entzeroth viele Gratulanten. Und so fanden sich der hessische Turnverband und der Tischtennisverband, der Sportkreis und der Landessportbund auf der Bühne ein, und alle warteten mit lobenden Worten, Urkunden oder Medaillen auf Aus zwei werden drei Vorsitzender Norbert Möller musste ein ums andere Mal die Stufen zur Bühne erklimmen, um Hände zu schütteln und Geschenke entgegenzunehmen. Und weil schon das Begrüßen der Ehrengäste durch die beiden Moderatoren der Feier, Stefan Rainer John und Heike Schwab, einige Minuten in Anspruch nahm, wurden aus den minuziös geplanten zwei Stunden schließlich drei. Und die Mitglieder der TuS, die der Bewegung wegen dem Verein beigetreten waren, mussten bis 14:00 Uhr ausharren, um dann die wenigen Meter zum Büfett zurücklegen zu dürfen.
Jochem Entzeroth blickte auf die Vereinsgeschichte zurück.
Erster in der langen Liste der Redner war Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP), der Schirmherr der Feier. Er stellte die soziale und integrative Leistung des Jubiläumvereins und die große Zahl der Ehrenamtlichen des Jubiläumsverein heraus. Die TuS trage als eine "starke Gemeinschaft" zur Identität der Stadt bei, sagte Naas.

Sport sei die Antwort auf alle Krisen" überschrieb Professor Heinz Zielinski vom Präsidium des Landessportbundes seine Festrede. Immer sei der Sport als größte Bürgerbewegung ein stabiler Faktor gewesen. Heute sei jeder dritte Hesse Mitglied im Landessportbund (LSB). Dennoch müssten heute vor allem die kleineren Vereine um ihren Fortbestand kämpfen, denn dort gebe es deutliche Rückgänge. Auch müssten sich die Vereine dem Wettbewerb mit kommerziellen Sportanbietern stellen. Zielinski: "Die TuS Steinbach kann mit ihrer ausgezeichneten Vereinsführung und der großen Zahl ehrenamtlich engagierter Mitglieder anderen Vereinen als Vorbild dienen." Und stellvertretend für seine Vorstandsmitglieder durfte Vorsitzender Möller die silberne Ehrennadel des Landessportbundes entgegennehmen.

Naas mussten später noch einmal auf die Bühne, um Möllers Stellvertreter Stefan Rainer John, sozusagen das Faktotum der TuS, mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen zu ehren. John kümmert sich bei der TuS um die vereinseigenen Turnhalle, um die Datenverarbeitung und hatte gemeinsam mit Jochem Entzeroth die Festschrift erarbeitet.

Landrat Ulrich Krebs (CDU) hatte eine ganz besondere Auszeichnung mit nach Steinbach gebracht. Er überreichte Möller die silberne Ehrenplakette des Hessischen Ministerpräsidenten, die nur an besonders aktive Vereine vergeben wird. Krebs stellte die Zusammenarbeit der TuS mit Schule und Kindergärten heraus, die besonders auf dem Weg hin zu Ganztagsschule erheblich an Bedeutung gewinne. Der Kreis werde versuchen mit den Vereinen einen gemeinsamen Weg zu finden.

Die Walter-Kolb-Plakette überreichte die Vizepräsidentin Freizeit- und Gesundheitssport beim Hessischen Turnverband, Inge Eckmann. Und sie hatte, was den Kassierer der TuS freuen dürfte, Gutscheine für Trainerstunden mitgebracht.

Redefrei am Ehrentag
Elli Schilling, seit 50 Jahren in der TuS aktiv, wurde von Vereinschef Norbert Möller (Mitte) und seinem Vize Stefan Rainer John ausgezeichnet
Georg Komma, stellvertretender Vorsitzender des Sportkreises Hochtaunus, durfte an diesem Tag am Mikrofon den Vorsitzenden vertreten. Denn der heißt Norbert Möller, musste gestern keine Reden halten und durfte stattdessen sich und seinen Verein feiern lassen. Den Ehrenteller des Sportkreises hatte Komma mitgebracht und einen Lehrgangsgutschein.

Gratulieren wollten natürlich auch die Steinbacher, allen voran und für alle 42 Vereine der Stadt, Vereinsringvorsitzender Klaus Döge. Dr. Jochen Schwalbe vom Vorstand des FSV Steinbach bestätigte mit einem Augenzwinkern, dass das Verhältnis zwischen den Fußballern und der TuS längst wieder bestens sei. Nach einem Streit ums liebe Geld war vor vielen Jahren die Ehe zwischen Kickern und Turnern geschieden worden. Steinbachs Feuerwehrchef Dirk Hagen kündigte an, die Wehr wolle die TuS beim Festzug im September unterstützen.

TuS-Vize Jochem Entzeroth blieb es vorbehalten, in einer knappen halben Stunde auf humorvolle Weise auf die Vereinsgeschichte zurückzublicken. Einen großen Teil dieser Geschichte, nämlich die vergangenen 50 Jahre, war Elli Schilling ein absoluter Aktivposten bei der TuS. Aktuell leitet die 84-Jährige mittwochs die Seniorengymnastik. ihr steckte Norbert Möller eine mit Brillanten besetzte Nadel ans Revers.

Auf andere Weise als Entzeroth ließen die Turnerinnen und Turner die Geschichte der TuS Revue passieren. Zu Melodien der jeweiligen Epoche wurde, angefangen vom Männerturnen und der Frauengymnastik bis hin zu Aerobic und Line Dance all das vorgeführt, was die TuS von 1885 bis ins Jahr 2010 für den bewegungsfreudigen Steinbacher so attraktiv gemacht hat.

Michael Neumann
Taunuszeitung vom 08.03.2010

 
125-Jahr Feier